Taufschale auf Wanderschaft

Erstellt am 02.08.2017

Restauratorin Nora Möller und Pfarrer Rainer Moritz

Die historische Taufschale der Stadtkirche wird vom 1. September 2017 bis zum 14. Januar 2018 als Leihgabe im Stadtmuseum Münster zu sehen sein. Schon jetzt wurde die Messingtaufschale aus dem Jahre 1616 von Pfarrer Rainer Moritz der Restauratorin Nora Möller übergeben, um sie für den Ausstellungskatalog zu fotografieren.

 

Aus Anlass des 500. Jubiläums der Reformation zeigt das Museum in einem Monat in der Sonderausstellung „Die Macht des Wassers. Taufen in der Reformation“ Exponate, die die verschiedenen Auffassungen von Taufe im 16. Jahrhundert anschaulich machen. Auch wenn es aus heutiger Sicht erstaunt, waren es insbesondere die Kontroversen um das Verständnis der Taufe, die die Auswirkungen der Reformation offenkundig werden ließen. Martin Luther akzeptierte neben dem Abendmahl nur die Taufe als Sakrament, während die katholische Lehre sieben Sakramente kennt. Die Täufer wiederum missbilligten die Taufe von Neugeborenen. Gewaltsame Auseinandersetzungen waren die Folge.

 

Die Ausstellung thematisiert die Geschichte der Taufe seit den Anfängen, visualisiert die Unterschiede in der Taufpraxis und macht die enge Verknüpfung von epochemachender Reformations- und münsterischer Lokalgeschichte sichtbar. „Die aufwendig gearbeitete Taufschale aus Rheda“, so die Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé, „wird in besonders beeindruckender Weise die Bedeutung der Taufe nachvollziehbar machen und die Ausstellung um einen bedeutenden Höhepunkt bereichern.“

Vor 400 Jahren wurde die Taufschale aus Messing (Durchmesser 51 cm) in der Rhedaer Stadtkirche in Gebrauch genommen. Geschenkt wurde sie der Gemeinde während der Bauzeit der Stadtkirche von Gertrud Holtermann, geb. Stille, der Frau eines Presbyters. So lautet die entsprechende Widmung, die auf dem breiten Rand der Taufschale eingemeißelt wurde: "HEREN DOCTORES HOLTERMANS EHELICHE HAVSFRAW GERDRVT STILLE ANNO 1616".

 

Gisela Schaub, die über die Geschichte der Stadtkirche geforscht hat, stellt zur Messingschale fest: „Das genaue Alter der Rhedaer Schale ist ungewiß: Beschauzeichen und Marken fehlen. Das Datum der Stifterinschrift allein gibt keine Gewißheit, denn es kam vor, daß Schüsseln erst bei einer zweiten Verwendung beschriftet wurden.“ Die Taufschale könnte also älter als 400 Jahre sein. Wahrscheinlich, so die Vermutung der Hobby-Historikerin, wurde die Taufschale als sogenannte "Beckenschlägerschüssel“ in Nürnberg hergestellt, wo das "Beckschlägerhandwerk" schon seit dem 14. Jahrhundert bekannt gewesen sei.

Verziert ist der Grund der Taufschale mit einer Paradiesszene. „Die Darstellung von Adam und Eva ist eines der am häufigsten verwendeten Motive der Beckenschläger, wobei es allerdings eine große Anzahl von Varianten gibt. Der Kupferstich von Albrecht Dürers "Adam und Eva" von 1504 könnte die Vorlage gewesen sein. Außerdem ist die Schale mit kleinen Schmuckzeichen wie Rosetten, Blumenknospen und griechischen Kreuzen geschmückt, die mit Metallstempeln eingehämmert wurden. 

Gleiches gilt für die Verzierung des Schalenrandes mit Schmuckbuchstaben, deren Bedeutung geheimnisvoll bleibt. Teilweise lässt sich ein „HILF UNS“ erkennen. Eine Erklärung der rätselhaften Zeichen sieht Schaub darin, „daß die Mehrzahl der Beckenschläger bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts des Lesens und Schreibens unkundig waren und deshalb die ursprünglich sicher sinnvollen Innschriften unwissentlich veränderten.

 

„Natürlich werden auch in der Zeit der Ausleihe in der Stadtkirche Taufen stattfinden“, versichert Pfarrer Moritz. „Wir freuen uns, die Taufschale aus der entwidmeten Versöhnungs-Kirche in Benteler nutzen zu können.“

Weitere Informationen über die Ausstellung "Die Macht des Wassers - Taufen in der Reformation" im Stadtmuseum Münster können Sie hier herunterladen (PDF-Datei).