Angelika Riegel feiert 10jähriges Jubiläum

Erstellt am 09.07.2018

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RHEDA-WIEDENBRÜCK – Klezmermusik mit Pfarrer Rainer Moritz am Saxophon stand auf dem Programm für die „Kleine Marktmusik“ am Samstag, 7. Juli, in der Rhedaer Stadtkirche. Angelika Riegel sitzt dann an der Orgel und begleitet den Pfarrer. Dieser Samstag ist ein besonderer Tag für die Kantorin der Evangelischen Versöhnungs-Kirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück: Vor zehn Jahren, am 1. Juli, trat sie ihren Dienst hier im Ost-Westfälischen an, es war zudem ihre erste hauptamtliche Stelle.

 

Angelika Riegel legt aus ihrem Heimatort an der „Deutschen Weinstraße“ in Rheinland-Pfalz einen weiten Weg bis nach Rheda-Wiedenbrück zurück – geografisch, inhaltlich und musikalisch. Ihre „Grundausbildung“ zur C-Musikerin erhält die heute 45-Jährige am kirchenmusikalischen Seminar Bad Bergzabern. In dem Ort in der Nähe von Landau geht sie auch zur Schule, macht dort ihr Abitur. Danach beginnt sie ihre Rundreise durch Deutschland. Die erste Station ist Heidelberg. Dort nimmt sie ein Studium der Evangelischen Theologie auf. Die Theologie ist ihr quasi in die Wiege gelegt, denn ihr Vater war Pastor in der Pfalz. An der Universität, am Theologischen Seminar aber merkt sie nach ein paar Semestern, dass ihr Herz weitaus mehr für die Kirchenmusik schlägt als für die Predigt und die Gemeindeleitung.

 

So bewirbt sie sich – wie man das so macht – an verschiedenen Evangelischen Hochschulen für Kirchenmusik. Unter anderem in Halle/Saale. Sie absolviert die Aufnahmeprüfung und darf ihr Studium dort beginnen. Ihre Augen leuchten, wenn sie von der Zeit in der geschichtsträchtigen Region Sachsen-Anhalts erzählt. Sie erinnert sich gerne an die Kirchen und Kirchengemeinden, in denen sie als nebenamtliche Kantorin während ihres Studiums tätig ist. „Halle ist die Händelstadt“, sagt sie und schwärmt von „tollen Orgeln“. Leipzig ist in der Nähe und auch dort schnuppert sie traditionsreiche Luft in evangelischen Kirchen und die mitteldeutsche Kultur. „Ich erhielt Einblicke in Kirchengemeinden, die anders funktionieren als die hier im Westen“, sagt sie nachdenklich. Menschen, die schon zu DDR-Zeiten Gemeindegliedern waren, seien der Gemeinde anders verbunden. „Sie pflegen andere Traditionen und wissen, warum sie zur Kirche gehören.“ Sie erlebt dort Gemeindeglieder, die in der DDR ihr Christsein gegen Widerstände lebten, sich weiterhin engagieren und zugehörig fühlen. „Die Menschen haben einen anderen Blick, leben ihren Glauben anders“, fasst sie für sich zusammen.

 

Hohes Engagement erlebt Angelika Riedel auch in Rheda-Wiedenbrück. 2008 führt ihr Weg aus Halle/Saale in den Evangelischen Kirchenkreis Gütersloh. Sie landet hier, weil es eine Querverbindung gibt. Sie kennt den Kantoren in Ibbenbüren, wo Pfarrer Marco Beuermann als Vikar tätig war. Deshalb kann der ihr den Tipp geben, dass in Rheda eine Stelle frei ist, geschaffen als hauptamtliche, voll B-Stelle, als die Gemeinde fusioniert. Angelika Riedel lässt sich anregen, bewirbt sich und bekommt die Stelle. Inzwischen ist sie in Rheda verheiratet und sesshaft geworden.

 

In der Versöhnungs-Kirchengemeinde hat sie es mit einem Pfarrteam zutun, das bis zu acht Mitglieder hat. Fünf Kirchen bespielt sie regelmäßig an Sonn- und Feiertagen, ist bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen dabei, leitet einen Chor, gibt Orgelunterricht und koordiniert neben- und ehrenamtliche Kirchenmusikerinnen und -musiker. Immer wieder bietet sie Sing-Projekte an, z. B. Taize-Workshops, die jeweils einen Nachmittag dauern.

 

Die Konzertreihe „Eine kleine Marktmusik“ am Samstagvormittag in der Stadtkirche Rheda hat sie eingeführt. Oft gestaltet sie das 30-minütige Format selbst, manchmal hat sie Gäste, zum Beispiel im November den Kantoren Jürgen Wüstefeld von der katholischen Nachbargemeinde St. Ägidius. Das Offene Singen geht auch auf ihre Idee zurück. Hier lädt Angelika Riedel die ein, „die sonst nur unter der Dusche singen.“ Neue geistliche Lieder und Tipps zum Umgang mit der Stimme bestimmen dieses Format, das in lockerer Atmosphäre stattfindet. „Das Ergebnis kann sich hören lassen, denn einige SängerInnen wechselten vom offenen Singen in den Chor“, freut sie sich und fügt an, „Auch der Gemeindegesang im Gottesdienst wird damit hörbar gestärkt.“

 

Planungen für die Zukunft hat die Kantorin auch schon gemacht: „Ich werde wahrscheinlich ab Oktober 2018 in Detmold berufsbegleitend studieren.“ „Musikvermittlung“ heißt der Masterstudiengang, hinter dem sich Konzertpädagogik verbirgt. Sie hofft, dass dadurch die kirchenmusikalischen Angebote künftig eine noch stärkeren Verbindung zur Gemeinde, bzw. den Zuhörenden sowie gemeindefernen Menschen ermöglichen.

 

Wenn die Kantorin mit der Umsetzung der Ideen, die sie offensichtlich schon im Kopf hat, so viel Erfolg haben wird, wie mit der „Kleinen Marktmusik“, darf man gespannt auf die neuen Formate sein, die sie entwickeln wird.

(Frauke Brauns / Sto.)