Abendmahl - ein Mahl der Gemeinschaft

Grafik: Calwer Verlag, Stuttgart

In der Ev. Kirche ist das Abendmahl neben der Taufe eines der beiden Sakramente - der heiligen Zeichen, die Jesus selbst eingesetzt hat. Die Feier des Abendmahls geht auf das letzte Abendmahl zurück, das Jesus am Vorabend seiner Kreuzigung mit seinen Jüngern feierte. In Erinnerung an dieses Mahl teilen wir bis heute in den Gottesdiensten Brot und Wein, wie es Jesus mit seinen Jüngern teilte.

Jesus reichte ihnen das Brot und sagte: "Das ist mein Leib." Danach gab er ihnen einen Kelch mit Wein und sagte: "Nehmt hin, das ist mein Blut, das für Euch vergossen ist zur Vergebung der Sünden." Mit diesen Worten wird das Abendmahl auch heute noch eingesetzt.

Im Teilen von Brot und Wein feiern Christen die "geheimnisvolle Gegenwart" von Jesus Christus im Gottesdienst. In den biblischen Gleichnissen gebraucht Jesus das gemeinsame Essen und Trinken als anschauliches Bild für die unmittelbare und heilende Nähe Gottes zu den Menschen. Im Kirchenjahr wird besonders am Gründonnerstag, dem Tag vor Karfreitag, mit einem Gottesdienst an den Beginn der biblischen Abendmahltradition erinnert. 

Auch in unserer Gemeinde feiern wir ganz besondere Feierabendmahlgottesdienste am Gründonnerstag, in denen die Menschen nicht nur Brot und Wein zusammen teilen, sondern miteinander essen, um der Gemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern zu gedenken.

Das Abendmahlsverständnis der evangelischen Kirche hat sich in der Auseinandersetzung Martin Luthers mit seiner katholischen Kirche entwickelt. Luther hatte sich dagegen gewandt, das Abendmahl als Opfer zu sehen, das der Priester Gott darbringt. Umgekehrt muss der Akzent darauf liegen, dass Gott am Menschen handelt und nicht der Mensch vor Gott. Die Rede von der „Wiederholung des Kreuzopfers“ hat den Eindruck entstehen lassen, als ob das einmalige Opfer Jesu am Kreuz im Gottesdienst regelmäßig wiederholt werden müsste. Das Abendmahl ist bis heute ein schwerer Stein auf dem Weg der ökumenischen Zusammenarbeit, für Protestanten ist es wichtig deutlich zu machen, dass zur Mahlgemeinschaft an den Tisch des Herrn alle getauften Christen herzlich willkommen sind. 

Was im Abendmahl geschieht, spricht den Menschen mit all seinen Sinnen an, doch lässt sich nicht alles mit letzter Genauigkeit erklären. Strittig war und ist die Frage, was Jesu Worte bedeuten: Das ist mein Leib. Das ist mein Blut. Nach katholischer Lehre werden Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt (Transsubstantiation, lat.: Wesensverwandlung). Nach lutherischer Auffassung ist Christus in Brot und Wein körperlich zugegen (Realpräsenz), während nach reformiertem Verständnis das Abendmahl lediglich als Zeichen (Symbol) der Gegenwart Gottes zu sehen ist.

Unstrittig ist aber, wenn es heißt, dass Gott den Menschen im Abendmahl durch Brot und Wein in Leib und Blut Jesu Christi begegnet, dann meint dies: 1. Gott kommt ihnen näher als diese sich selbst nahe zu sein vermögen. 2. Gemeinschaft mit Gott ist nicht nur eine Denkerfahrung, sondern bezieht sich auf Leib und Seele. 3. Mit dem Abendmahl bekommen Menschen neue Kraft für ihr Leben.